Technischer BerichtEnergie & IndustrieAugust 20269 minDatenbasis TEP · HAI · SKAB · BDG2

Anomalieerkennung in Dampfsystemen aus Bestandsdaten: Problemstellung, Lösungsansatz, Ergebnisse

Dampfsysteme verlieren 5–15 % der Brennstoffkosten durch schleichende Defekte; erkannt wird das heute per Mehrjahres-Survey oder per Sensor je Ableiter. Der Bericht dokumentiert ein unüberwachtes Verfahren, das ausschließlich auf Bestandsdaten des Normalbetriebs trainiert wird — validiert auf vier komplementären öffentlichen Datensätzen. Kernergebnisse: 18/21 TEP-Fehlertypen bei 0,00 % Fehlalarmen; ROC-AUC 0,94 auf realen Kessel- und Prüfstandsdaten, sofern anlagenlokal kalibriert wird; auf echten Dampfzählern u. a. ein 2.481-Stunden-Totalausfall als Befund. Ein Train/Test-Audit ordnet die Belastbarkeit ein; die erste Blind-Validierung liefert der Pilot.

UnüberwachtAR + Mahalanobis + EWMAKondensatableiter / Steam TrapsTrain/Test-AuditKennzahlen reproduzierbar · keine Zusicherung
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Problemstellung

Dampfsysteme in Papierfabriken und anderen Prozessindustrien verlieren laufend Energie durch schleichende Defekte, vor allem durch ausgefallene Kondensatableiter und Leckagen. Nach Erhebungen des US-Energieministeriums sind in Anlagen ohne systematisches Wartungsprogramm typischerweise 15–30 % der Ableiter defekt; die Verluste liegen in der Größenordnung von 5–15 % der Brennstoffkosten des Dampfsystems.

Der Stand der Technik hat zwei Ausprägungen mit strukturellen Nachteilen: Manuelle Surveys liefern Momentaufnahmen im Mehrjahresrhythmus — dazwischen bleiben Defekte unentdeckt. Kontinuierliches Sensor-Monitoring funktioniert nachweislich, skaliert aber über die Hardware je Ableiter und wird in Bestandsanlagen häufig nicht budgetiert.

Drei Wege zur Defekterkennung Status quo und untersuchter Ansatz
MANUELLER SURVEY Momentaufnahme im Mehrjahresrhythmus SENSOR-MONITORING kontinuierlich, skaliert über Hardware je Ableiter PROZESSDATEN-ANSATZ (untersucht) aus vorhandenen Leitsystemdaten Survey Survey Survey Defekte bleiben bis zum nächsten Survey unentdeckt typisch 2–3 Jahre je Kondensatableiter ein Funksensor — bei mehreren hundert Ableitern der dominierende Kostenblock Leitsystem / Historian vorhandene Signale, lesend Statistisches Modell nur Normalbetrieb Anomalie-Alarm mit Begründung
Abb. 1 · Erkennungslücke und Kostenblock. Surveys lassen Mehrjahreslücken, Sensorik skaliert über Hardware je Ableiter. Der untersuchte Ansatz nutzt die vorhandenen Leitsystemdaten — lesend, ohne Feldgeräte.

Untersucht wurde deshalb: Lassen sich Anomalien im Dampfsystem aus vorhandenen Prozessdaten erkennen — ohne zusätzliche Sensorik und ohne gelabelte Fehlerbeispiele im Training? Der zweite Punkt ist praktisch entscheidend, denn gelabelte Fehlerdaten existieren in Bestandsanlagen in aller Regel nicht; verfügbar ist die historische Betriebsdatenbasis, die überwiegend Normalbetrieb abbildet.

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Lösungsansatz: Normalverhalten modellieren, Abweichung melden

Der Ansatz modelliert das Normalverhalten der Anlage statistisch und meldet anhaltende Abweichungen; trainiert wird ausschließlich auf Bestandsdaten des Normalbetriebs. Drei Stufen: Ein autoregressives Modell je Signal erfasst die Eigendynamik (übrig bleiben Residuen), die gemeinsame Verteilung der Residuen wird robust modelliert (Mahalanobis-Distanz mit regularisierter Kovarianz — erkennt auch Brüche zwischen Signalen), und der geglättete Score wird gegen eine allein aus Normaldaten kalibrierte Schwelle geprüft. Die Schwellenkalibrierung ist der zentrale betriebliche Stellknopf zwischen Empfindlichkeit und Fehlalarmrate.

Verfahren in drei Stufen, plus Ergänzungen unüberwacht · signalagnostisch · leitsystemnah
STUFE 1 · AUTOKORRELATION AR(p)-Modell je Signal lernt die Eigendynamik; übrig bleiben Residuen STUFE 2 · VERTEILUNG Mahalanobis-Distanz robuste Kovarianz über alle Residuen — auch Kreuzbezüge STUFE 3 · PERSISTENZ EWMA + Schwelle Schwelle allein aus dem Normalbetrieb kalibriert Signal · AR-Vorhersage Ausreißer Residuen · Normalhülle Schwelle geglätteter Score · Alarm trainiert nur auf Normalbetrieb · keine Fehlerlabels · keine Zusatzsensorik · ~100 Zeilen Kerncode ERGÄNZUNGEN AUS DEN REALDATEN (Abschnitt 5)Level-ScoreVerteilungsprüfung auf Niveau-Ebene (Level-Shifts, Ausfälle)StillstandsregelNullverbrauch trotz erwarteter Last, explizit und erklärbar
Abb. 2 · Verfahrensskizze. Der Kern (drei Stufen) blieb über alle Validierungen unverändert; die zwei gestrichelten Ergänzungen entstanden aus den Realdaten-Befunden in Abschnitt 5 und ändern die Grundstruktur nicht.
Kalibrierungslogik Auszug, sinngemäß
# Training und Schwelle: ausschließlich Normalbetrieb
detektor.fit(historian["normalbetrieb"])
schwelle = quantil(score_normal, 0.999) * sicherheitsfaktor

# Referenzkonfiguration: null Fehlalarme auf unabhängigen Normaldaten
assert fehlalarmrate(normal_test) == 0.0

Der Ansatz benötigt keine Anlagentopologie, keine Fehlerbeispiele und keine zusätzliche Hardware; die Kernimplementierung umfasst rund 100 Zeilen Code auf Standardbibliotheken.

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Datengrundlage

Öffentliche Datensätze mit Signalen einzelner Kondensatableiter existieren nicht — für keinen Marktteilnehmer. Die Validierung nutzt vier komplementäre öffentliche Datensätze, die zusammen quantitative Bewertbarkeit, reale Sensorik thermischer Prozesse und echte Dampfmessungen im Langzeitbetrieb abdecken. Labels dienen ausschließlich der Evaluation, nie dem Training.

DatensatzInhaltRolle in der Studie
TEP
Simulation, Braatz-Archiv
Standard-Benchmark seit ~30 Jahren: 52 Prozessvariablen (inkl. dampfbeheizter Einheiten), Normalbetrieb + 21 Fehlertypen mit bekanntem Start.Quantitative Bewertung mit Ground Truth
HAI 21.03
physisches Testbed
Reale 1-Hz-Daten eines Kessel-Turbinen-Testbeds, gelabelte Störereignisse; verwendet: 30 Kesselsignale.Reale thermische Prozessdaten, adversariale Störungen
SKAB
physischer Prüfstand
34 Experimente eines Kreislauf-Prüfstands (Pumpe, Ventile, 8 Sensoren) mit physisch induzierten, gelabelten Anomalien.Verschleißnahe Anomalien; Test der lokalen Kalibrierung
BDG2
echte Dampfzähler
370 Gebäude-Dampfzähler, stündlich, zwei volle Jahre (ASHRAE GEPIII); keine Labels.Langzeitbetrieb auf echten Dampfdaten; Befundliste
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Ergebnisse

TEP: Erkennung ohne Labels, null Fehlalarme

Training auf 500 Zeitschritten Normalbetrieb, Konfiguration a priori festgelegt. Ergebnis: 18 von 21 Fehlertypen erkannt bei 0,00 % Fehlalarmrate auf unabhängigen Normaldaten; markante Störungen werden in 0–18 Minuten gemeldet.

In den Metriken der übrigen Datensätze ausgedrückt, damit die Ergebnisse vergleichbar sind: Der Ereignis-Recall beträgt 18/21 (86 %), der zeitschrittweise Recall nach Fehlerstart 65 % über alle bzw. 76 % über die 18 erkannten Typen — bei einer Präzision von 100 % (kein einziger Fehlalarm). Schwellenunabhängig erreicht der Score eine gepoolte ROC-AUC von 0,90; je Fehlertyp liegt der Median bei 0,99, ohne die quasi-unbeobachtbaren Typen 3/9/15 im Mittel bei 0,95 (die drei selbst: 0,36–0,66 — auch schwellenfrei kaum trennbar). Damit liegen TEP (0,90–0,95), HAI (0,94) und SKAB (0,94, lokal) auf vergleichbarem Niveau.

Erkennungsrate je Fehlertyp Referenzkonfiguration · Training ohne Fehlerlabels
0 25 50 75 100 Erkennungsrate nach Fehlerstart (%) 99 1 98 2 0 3 100 4 22 5 100 6 100 7 97 8 0 9 21 10 86 11 100 12 92 13 100 14 0 15 18 16 96 17 89 18 80 19 52 20 22 21 TEP-Fehlertyp · rot: Fehler 3, 9, 15 — in der Literatur als quasi-unbeobachtbar beschrieben Fehlalarmrate auf Normaldaten: 0,00 %
Abb. 3 · TEP im Detail. Acht Fehlertypen ≥96 %, Fehler 4/6/7 unmittelbar. Die nicht erkannten Fehler 3, 9, 15 gelten in der Literatur als quasi-unbeobachtbar — ihre ROC-AUC von 0,36–0,66 zeigt, dass sie auch schwellenfrei kaum trennbar sind.
Empfindlichkeit gegen Fehlalarme zwei Kalibrierungen derselben Pipeline
Konservative Schwelle (Referenz) 18/21 erkannte Fehlertypen 0,0 % Fehlalarm- rate Gelockerte Schwelle 21/21 erkannte Fehlertypen 12 % Fehlalarm- rate Skalen je Kennzahl unabhängig. Die Schwellenkalibrierung ist der dokumentierte betriebliche Stellknopf.
Abb. 4 · Betrieblicher Stellknopf. Gelockerte Schwelle: 21/21 erkannt, aber ~12 % Fehlalarme — betrieblich nicht akzeptabel; die konservative Konfiguration bleibt Referenz.

HAI: hohe Trennschärfe auf realen Kesseldaten

Der Score trennt Kesselstörungen mit ROC-AUC 0,94 bei 0,54 % Fehlalarmen; über die harte Schwelle gelangte eines von drei Ereignissen. Die HAI-Störungen sind bewusst innerhalb normaler Wertebereiche versteckte Manipulationen (Sensor-Spoofing) — ein adversariales Szenario; physische Degradation verändert die Signalstatistik dagegen tatsächlich. Turbinen-Störungen außerhalb des Sichtfelds wurden erwartungsgemäß nicht gemeldet.

Score-Verlauf auf realen Kesseldaten schematische Darstellung · Kennzahlen gemessen
Störung 1 Störung 2 Störung 3 Alarmschwelle (aus Normaldaten) Alarm Zeit → · Score steigt in allen drei Störfenstern (ROC-AUC 0,94), überschreitet die Schwelle in einem ROC-AUC 0,94 gegen Kesselstörungen 0,54 % Fehlalarme, störungsfrei 1 / 3 Ereignisse über Schwelle
Abb. 5 · HAI-Ergebnis. Der Score steigt in allen drei Störfenstern (AUC 0,94); über die konservative Schwelle gelangt eines. Verlauf schematisch, Kennzahlen aus der Messung.

SKAB: der Betriebsbefund — lokale Kalibrierung entscheidet

Mit Training nur auf dem globalen anomaliefreien Referenzlauf erreicht das Verfahren Median-AUC 0,58 — die Experimente fahren andere Betriebspunkte als die Referenz. Mit vollständigem, label-freiem Fit je Anlage auf deren eigenem 300-Sekunden-Anfangsfenster springt das Ergebnis auf Median-AUC 0,94, 30/34 Ereignisse bei 8,0 % Fehlalarmrate (A-priori-Standardkonfiguration; vermessene Betriebspunkte: 28/34 bei 3,8 %, 26/34 bei 2,5 %).

Globales Modell vs. anlagenlokale Kalibrierung SKAB · 34 Experimente · identischer Detektor
Median-AUC je Experiment 0,58 0,94 global anlagenlokal ×1,6 Anlagenlokale Kalibrierung im Detail 30/34 Ereignisse erkannt 8,0 % Fehlalarmrate 34 Prüfstands-Experimente · lokal: Fit je Anlage auf 300-s-Anfangsfenster, label-frei · Skalen unabhängig
Abb. 6 · Warum lokale Kalibrierung zählt. Identisches Verfahren, einziger Unterschied ist die Trainingsbasis. Betriebslehre für den Rollout: Kalibrierung auf der Historie der konkreten Anlage — ein anlagenfremd trainiertes Modell genügt nicht.

BDG2: Befundliste auf echten Dampfzählern

Vier Zähler verschiedener Standorte, Modell auf 2016 trainiert, Detektion auf 2017. Ohne Labels ist das Ergebnis eine Befundliste (Episoden mit Start, Dauer, Richtung, Typ), per Sichtprüfung plausibilisiert: ein durchgehender Totalausfall über 2.481 Stunden ab dem 19.09.2017, Messwert-Spitzen um den Faktor 50, ein festgefrorener Messwert über Tage sowie Rekordlasten zum Jahresende. Scheinanomalien durch die US-Zeitumstellung werden automatisch als mutmaßliche Artefakte annotiert.

Befunde 2017 auf vier echten Dampfzählern Episodentypen: Stillstand · Dynamik · Niveau
J F M A M J J A S O N D Zähler A · Büro Zähler B · Bildung Zähler C · Büro Zähler D · Services Totalausfall 2.481 h (Stillstand) Messwert-Spitzen ×50 (Dynamik) festgefrorener Messwert (konstantes Plateau) Rekordlast Jahresende (Niveau) 12.03.: Zeitumstellung — als mögliches Artefakt annotiert Fit auf 2016 (Ausfälle maskiert) · Detektion 2017 · Lage schematisch, Befunde real und per Sichtprüfung plausibilisiert
Abb. 7 · Befund-Zeitleiste. Jede Zeile ein Zähler, Markierungen zeigen die Top-Episoden der Befundliste. Lage schematisch; Befunde, Zeitpunkte und Dauern stammen aus der Auswertung.
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Realdaten-Lektionen

Die BDG2-Auswertung lieferte drei übertragbare Lektionen, die den Unterschied zwischen Benchmark- und Realdatenbetrieb ausmachen — alle drei sind im Verfahren umgesetzt, ohne seine Grundstruktur zu ändern:

  • Trainingshygiene. Bestandsdaten enthalten selbst Ausfälle (bei einem Zähler 18 % Nullwerte im Trainingsjahr). Null-Läufe müssen im Training maskiert werden, sonst lernt das Modell Flatlines als Normalzustand.
  • Niveau-Prüfung. Ein autoregressives Modell prädiziert eine anhaltende Level-Verschiebung nach der Übergangsphase selbst und meldet sie nicht mehr. Ausfälle erfordern die Verteilungsprüfung auf Niveau-Ebene plus eine explizite, erklärbare Stillstandsregel.
  • Robuste Schwellen. Extremquantil-Kalibrierung ist fragil, wenn das Trainingsjahr ungelabelte Störepisoden enthält (hier: 99,9-%-Quantil der Abweichungen beim Neunfachen der robusten Skala). Eine Deckelung über Median plus Vielfache des Interquartilsabstands stabilisiert das Verhalten.
Kernaussage

Benchmark-Leistung entsteht im Labor, Betriebsreife an schmutzigen Bestandsdaten. Die drei Lektionen sind eingebaut — und genau die Art Wissen, die ein Pilot je Anlage weiter vertieft.

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Belastbarkeit & Grenzen

Alle Pipelines wurden einem Train/Test-Audit unterzogen. Modellfit, Skalierung, Profile und Schwellen stammen durchgängig ausschließlich aus Trainingsdaten; die TEP/HAI-Referenzkonfigurationen entsprechen dem jeweils ersten Lauf. Fünf Punkte dokumentiert die folgende Tabelle — vom unkritischen Transparenzhinweis bis zum deklarierten Entwicklungsbefund:

PunktBefundStatus
Sensitivitäts-Sweeps (TEP/HAI)Schwellen-Sweeps auf Testdaten wurden berichtet, aber nicht in die Referenz übernommen.sauber, transparent
SKAB-KalibrierfensterFenstergröße (300 s) mit Blick auf die Label-Statistik gewählt; im Einsatz ersetzt eine Betreiber-Zusicherung über einen normalen Zeitraum diese Wahl.offengelegt
SKAB-SicherheitsfaktorPrimär berichtet wird der a priori festgelegte Standard; weitere Betriebspunkte sind als post-hoc gekennzeichnet.korrigiert
BDG2-ZählerauswahlSelektionsstatistik anfangs über beide Jahre; auf reine 2016er-Statistik umgestellt. Der unverändert selektierte Zähler lieferte identische Ergebnisse.behoben
BDG2-IterationLevel-Score, Stillstandsregel und robuste Schwelle entstanden unter Sichtung des Testjahres — mangels Labels keine Label-Leakage, aber Entwicklungs-, keine Blind-Validierungsergebnisse.deklariert
Belastbarkeit: TEP am härtesten (a priori, 0 % FAR) HAI / SKAB: real, mit deklarierten Einschränkungen BDG2: Entwicklungsbefunde Blind-Validierung: erst der Pilot

Nicht belegt ist die Erkennungsrate an realen Kondensatableitern einer konkreten Anlage — dafür fehlen öffentlich die Daten, was symmetrisch für jeden Marktteilnehmer gilt.

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Fazit & nächste Schritte

Fazit

Die Studie belegt ihre methodische Kernbehauptung: Anomalien in den Prozessdaten thermischer Systeme lassen sich ohne gelabelte Fehlerdaten und ohne zusätzliche Sensorik erkennen. Die Trennschärfe ist über drei unabhängige, gelabelte Datensätze konsistent (ROC-AUC 0,90–0,95), die Fehlalarmrate ist auf Null kalibrierbar, und auf zwei Jahren echter Dampfzähler liefert das Verfahren eine plausibilisierte Befundliste inklusive eines vollständig erkannten Totalausfalls. Die beiden Voraussetzungen für den Betrieb sind ebenso klar belegt: anlagenlokale Kalibrierung (SKAB: Median-AUC 0,58 gegen 0,94) und die drei Realdaten-Härtungen aus Abschnitt 5.

Ökonomisch adressiert das Verfahren Verluste von 5–15 % der Brennstoffkosten des Dampfsystems und beseitigt die beiden heutigen Eintrittshürden — Hardware je Ableiter und fehlende Fehlerlabels. Offen bleibt genau eine Frage, die öffentlich niemand beantworten kann: die Erkennungsrate an realen Kondensatableitern einer konkreten Anlage.

Kernaussage

Methodik belegt, Betriebsvoraussetzungen bekannt, Restfrage präzise benannt — der Pilot ist kein Forschungsprojekt mehr, sondern eine Messung mit geringem Aufwand und klarem Ergebnisformat.

Nächste Schritte

Der sachgerechte nächste Schritt ist ein Pilot an einer Bestandsanlage mit eingefrorener Pipeline — er liefert die erste echte Blind-Validierung, eine kundenspezifische Erkennungsrate und zugleich den ersten proprietär gelabelten Datensatz des Marktes.

Quellen: TEP (Braatz-Archiv); HAI 21.03 (physisches ICS-Testbed); SKAB (Skoltech Anomaly Benchmark); BDG2 (ASHRAE GEPIII); Ausfall-/Verlustkennzahlen: U.S. DOE Steam Tip Sheets / FEMP. Alle Studien-Kennzahlen reproduzierbar aus dem beiliegenden Code.

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